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Der ETSV Güstrow – Wegbereiter für den Güstrower Fußball

Im Jahre 1945 begann für viele Sportler ein Neubeginn. Viele von Ihnen sind im Krieg geblieben, die Sportstätten zum Teil zerstört oder wurden anderweitig genutzt. Ab März 1946 begann der Sport wieder aufzublühen. Die Kreissportreferenten (Schwarz bzw. Frick) koordinierten die Arbeit der Sportabteilung mit der FDJ. Die einzelnen Sportgruppen wurden im Sportzirkel Grün-Gold Güstrow (auf Grund der Stadtfarben) zusammengefasst. Mangels passender Spielkleidung mussten die Mannschaften oft in FDJ-Kleidung spielen.

Das erste überregionale Fußballspiel wurde 1949 auf dem Sportplatz Borwinseck zwischen Güstrow und Berlin-Spandau ausgetragen. Am 11.05.1949 wurde auf der von 30 Sportfreunden besuchten Versammlung die BSG Lokomotive Güstrow mit dem 1. Vorsitzenden Erich Marotzke gegründet bzw. gewählt. Als erste Sportarten gehörten ihr Boxen, Fußball, Handball, Leichtathletik und Wassersport an. Später kamen u.a. solche Sportgruppen wie Wintersport, Geräteturnen, Radsport, Faustball, Wandern und Hockey dazu. Mit der Gründung des Vereins gehörten die Fußballer zu den Ersten, die den Wettkampfbetrieb aufnahmen.

Martin Neumann (Sektionsleiter von 1958 bis 1967) erinnert sich: "Das runde Leder wurde nach dem Krieg aus Schweinshaut gefertigt, nicht immer hielt es den Strapazen stand. Einmal nass geworden, war der Ball nicht mehr rund. In geheimer Mission fuhren wir nach West-Berlin und besorgten einen Fußball aus Rindsleder. Damit durfte nur die erste Mannschaft trainieren und spielen. Viele der ersten Spieler waren auch Eisenbahner, so u.a. Walter Berger, die Gebrüder Brüdigamm, Koppe und Urban".

Am 1. Mai wurde traditionsgemäß gegen Einheit Güstrow gespielt. Zunächst waren einige Jahre in der Kreisklasse zu absolvieren, bevor der Aufstieg in die Bezirksklasse gelang. Grundlage hierfür war ein intensiver Trainingsbetrieb unter der Leitung von Ferdinand Zeeger.

Die Nachwuchsarbeit war inzwischen stabil geworden. Eine starke A-Jugend Mannschaft spielte im damaligen Land Mecklenburg eine gute Rolle. Viele von Ihnen schafften den schnellen Sprung in die 1. Mannschaft, die inzwischen von Horst Schacht trainieret wurde. Sie erkämpfte den Aufstieg in die Bezirksliga. Sektionsleiter war damals Joachim Dittner, als Betreuer hatte Albert Schekelinski (wer kennt nicht sein Bier und vor allem die rote Fassbrause aus seiner Gaststätte auf Borwinseck) großen Anteil am Erfolg. Jetzt spielte man mit Einheit Güstrow in der gleichen Liga.

Sponsoren gab es damals auch schon, der Braumeister Jarmer von der Kniesenack-Brauerei unterstützte den Fußballsport sehr. Aus der sportlichen Rivalität heraus gab es bald Bestrebungen, die Mannschaften von Lok und Einheit zusammen zu führen. Meistens fanden die Gespräche im Friseurgeschäft Vollstedt statt, sie blieben aber ohne Erfolg. Im Wesentlichen ging es nur darum, wichtige Spieler für Einheit zu gewinnen. Sogar Herbert Bruchhäuser schaltete sich damals ein, um z.B. Günter Pingel als Torwart für Einheit abzuwerben. Pagel spielte später bei Vorwärts Stralsund in der DDR-Liga. Gute Spieler wurden immer wieder gern von anderen Vereinen umworben. So z.B. Albrecht und Jessa, die nach Rostock delegiert wurden. Auch bei Einheit spielte im Laufe der Jahre mancher Fußballer, der bei Lok ausgebildet und groß geworden war. Stellvertretend hierfür seien einige Spieler genannt, wie Albrecht, Fentzahn, Siatkowski, Wittenburg und Leutner.

Hier weitere Eckdaten des Vereins: 1974 gab es eine Frauenfußballmannschaft, zum Leidwesen vieler nur auf Zeit. 1975 wollte die Sektion geschlossen zu Einheit wechseln. Der Vorstand konnte dem jedoch nicht zustimmen, da Einheit zu wenig Übungsleiter hatte. 1977 wurde die Schülermannschaft Bezirkspokalsieger, Bezirksmeister in der Halle und 2. Platz in der Freiluftsaison. 1978 Tiefpunkt für die Herren, Abstieg in die Bezirksklasse. 1986 wechselten 45 Kinder und Jugendliche zu Einheit, bei Lok gab es nur noch den Herrenbereich. 1991 Wiederaufstieg der 1. Mannschaft in die Bezirksliga. 1993 gründete sich die Alt-Herren-Mannschaft.

Im Sommer des Jahres 2001 wurde vom Verein der Entschluss gefasst, auf Grund der finanziellen Situation den Spielbetrieb nach Ablauf der Saison 2001/2002 einzustellen. Nicht aus einer "Schnapslaune" heraus wurde am 11.11.2001 nach einem Spiel gegen Grün-Gold Güstrow II, geschuldet der Gesamtsituation und im Sinne des Güstrower Fußballs, der Spielbetrieb der 1. Männermannschaft eingestellt und mit dem VfL Grün-Gold Güstrow fusioniert.

Ulrich Niemann, Frank Brunsendorf

 

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